Kapitel I: Von Hubschraubern und Glückssteinen

Mai 2003. Es ist ein herrlich warmer Frühlingstag.
Mein Mann spielte mit unseren Kindern (3, 6 und 8 Jahre alt) im Garten während ich in der Küche stand und das Mittagessen kochte. Unsere Große war schon ganz aufgeregt, sie hatte ihrem Vater noch nicht ihr Geschenk überreicht, das sie extra für ihn in der Schule gebastelt hatte. Denn es war ist nicht irgendein Tag, nein, es war ChristiHimmelfahrt, im Volksmund auch Vatertag genannt.
Als wir beim Mittagessen saßen holte sie zwei weiße Steine hinter ihrem Rücken hervor, auf denen sie Marienkäfer gemalt hatte. Sie übergab die Steine mit feierlichem Ausdruck ihrem Vater und sagte: “Das sind Glückssteine Papa. Nur für dich, damit sie dir Glück bringen und dich beschützen.”
Mein Mann nahm die Steine, drückte unsere Große kurz an sich und bedankte sich. Einen Stein legte er auf die Fensterbank in der Küche, den anderen steckte er sich in seine Hosentasche.
Wie ich später feststellte, was es das letzte mal, dass ich die Steine gesehen habe.
Nach dem Essen waren die Kinder müde und wollten nicht mehr raus. Das nahm mein Mann zum Anlaß doch noch eine kleine Spritztour mit dem Motorrad zu unternehmen. Kurze Zeit später fuhr er dann auch schon vom Hof. Als er dann um die Ecke bog, schaute er nochmal herrüber und hat den Kindern und mir zugewunken. Mein Mann und ich schauten uns noch kurz in die Augen, welch ein zufriedener Ausdruck dachte ich noch so bei mir, und dann war er auch schon weg.
Ich ging wieder ins Haus und fing an das Geschirr wegzuräumen.
Einige Zeit später, ich weiß nicht mehr wie viel später und was ich in der Zeit schon alles getan hatte, kamen die Kinder ganz aufgeregt zu mir gelaufen und riefen: “Mama, schnell. Komm raus. Da fliegt ein Hubschrauber!”
(Ein Hubschrauber? Hier? Das muß wohl einer von der Bundeswehr sein.) Ich ging raus und schaute hoch. (Doch es war keiner von der Bundeswehr. Ein Rettungshubschrauber schoß es mir durch den Kopf. Rettung? Für wen?)
Die Kinder standen mitten im Garten und winkten und jubelten den Hubschrauber zu als gäbe es kein Morgen mehr.
Für jemand ganz speziellen sollte es auch so sein.

24.8.08 17:09
 


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